enersuisse-CEO Martin Leuenberger

"Wir sind auf Wachstumskurs"

Vor drei Jahren brachten die Energieversorger EKZ, Primeo Energie und Romande Energie mit enersuisse den grössten Dienstleister für die Schweizer Energiebranche auf den Weg. Im Interview spricht enersuisse-CEO Martin Leuenberger über die ersten Jahre, über Erfolge und Rückschläge und er wirft einen Blick in die Zukunft.

Martin Leuenberger, wie schaust du auf die ersten drei Jahre enersuisse?

Es war eine sehr spannende und manchmal auch turbulente Reise bisher. Wir sind 2019 mit dem Spagat zwischen Start-up und etabliertem Unternehmen gestartet und hatten zunächst den Fokus darauf, die verschiedenen Einheiten zusammenzuführen, um eine Identität, eine Kultur, ein Verständnis zu schaffen. Unser Ziel war eine starke und ausgeprägte Dienstleistungskultur. Inzwischen sind wir fest etabliert, wir sind sehr agil und weiter auf Wachstumskurs. Kurz gesagt verfügen wir nach drei Jahren über alle Bausteine und auch über die Mitarbeiterkompetenz, um alle Prozesse in der Kette Meter-to-Customer, also vom Zähler bis zum Kunden, professionell, effizient und zuverlässig abzuwickeln. Unsere Mitarbeitenden sind absolute Experten in ihrem jeweiligen Bereich.

Alle Dienstleistungen Meter-to-Customer Alle Dienstleistungen Meter-to-Customer

enersuisse ist mit drei Aktionären gestartet, Primeo Energie, EKZ und Romande Energie. Demnächst sind es nur noch zwei: Romande Energie hat angekündigt, per Ende 2023 auszusteigen. Wie hat enersuisse diesen Schritt erlebt und welche Folgen hat er?

Der Ausstieg von Romande Energie war natürlich ein Dämpfer, ganz unbestritten. Gleichzeitig gehört es auch dazu, solche Entscheide sportlich zu nehmen und zu akzeptieren. Wichtig ist vor allem, dass Romande Energie dennoch auch künftig Kundin von enersuisse für ausgewählte Dienstleistungsmodule bleibt. Das zeigt deutlich, dass der Weggang nichts mit der Qualität von enersuisse zu tun hat und auch der vermeintliche «Röstigraben» nicht daran Schuld ist. Es war eine strategische Neuorientierung auf Seiten von Romande Energie, die zu diesem Entscheid geführt hat.

Damit ist Romande Energie also zur ersten richtigen Kundin von enersuisse geworden?

Genau, Romande Energie ist so zu unserer Pilotkundin geworden. Wir haben Layout, Druck, Versand und Verpackung ihrer Rechnungen erfolgreich auf unsere Plattform übernommen. Das ist für uns auch eine Chance, dazuzulernen. Diese Dienstleistung stellen wir jetzt als Produkt auch Dritten zur Verfügung. Denn unser Ziel ist es, weitere Kunden wie Romande Energie zu gewinnen.

Partnerschaftliche Zusammenarbeit steht ganz vorn Partnerschaftliche Zusammenarbeit steht ganz vorn

Welche Vorteile bietet enersuisse EVU, die die Dienstleistungen in Anspruch nehmen?

Wir wollen als Dienstleisterin wachsen und sind überzeugt, dass wir unseren Kunden einen hohen Mehrwert bieten können. Mit uns sind zum Beispiel Kosteneinsparungen von mindestens 25 Prozent möglich, da wir eine gemeinsame, skalierbare und modulare Plattform nutzen. Romande Energie als Pilotkundin nutzt nun eines unserer Module, eine Dienstleistung, aber es gibt auf der Kette Meter-to-Customer viele weitere Module, die wir anbieten, vom Layout und Versand von Rechnungen über den Einbau und das Auslesen von Zählern bis hin zu Inkasso und Kundenservice. Es ist uns wichtig, nicht einfach ein einziges Riesenprodukt zu haben, sondern jedes Element auch separat anzubieten. Gleichzeitig sind wir auch offen für neue Geschäftsfelder, etwa ZEV oder E-Mobilität.

Auf welche Kunden zielt enersuisse ab?

Unsere Zielkunden sind mittlere und grosse EVU ab 30.000 Kunden in der gesamten Schweiz, die SAP-Lösungen im Einsatz haben. Dabei ist uns eine partnerschaftliche Zusammenarbeit sehr wichtig, in der wir die besten Lösungen gemeinsam und auf gleicher Augenhöhe entwickeln. Mir ist bewusst, dass eine Kooperation Vertrauen braucht. Ein guter Einstieg besteht daher darin, klein anzufangen und die Zusammenarbeit schrittweise auszubauen. Wir planen zum Beispiel gerade einen Piloten mit einem Energieversorger im Bereich Metering. Wir bündeln unsere Expertise und können so Kooperation und Co-Kreation gemeinsam ausprobieren.

Ein zentrales Thema für enersuisse ist die Kundenorientierung, also der Umgang mit den Kunden der EVU, die die Dienstleistung von enersuisse beziehen. Wie wird diese Kundenorientierung erreicht?

Das ist ein Fokusthema für uns, weil wir uns hier abheben können. Es ist uns wichtig, den Kundinnen und Kunden der EVU, die unsere Dienstleistung beziehen, ein herausragendes Service-Erlebnis anzubieten und uns qualitativ damit zu differenzieren. Dabei hilft uns auch die regionale Präsenz in der Schweiz. In unseren Analysen haben wir gesehen, dass für Kundinnen und Kunden, die uns kontaktieren, das Finden einer Lösung für ihr Anliegen der entscheidende Hebel ist für eine hohe Kontaktzufriedenheit. Da jede Situation dabei unterschiedlich und individuell ist, sei es beispielsweise bei einem Umzug oder einer Rechnungsanfrage, achten wir darauf, dass wir persönlich auf das einzelne Kundenanliegen mit einer massgeschneiderten Antwort eingehen können. Wir legen sehr viel Wert darauf, dass die Kunden spüren: Unsere Mitarbeitenden sind hochkompetent und top engagiert.

Hochkompetent und top engagiert: die enersuisse-Mitarbeitenden Hochkompetent und top engagiert: die enersuisse-Mitarbeitenden

Gibt es eine Art enersuisse-Rezept?

Ein wichtiger Grundsatz, nach dem wir arbeiten, ist der Human-centered-design-Ansatz. Das heisst, bei allem, woran wir arbeiten, haben wir immer vor Augen, was es für den Kunden bedeutet. Dabei holen wir auch konsequent das Kundenfeedback ein und verbessern so unsere Dienstleistungen. So haben wir zum Beispiel Formulare gemeinsam mit Kunden entwickelt, um sicherzugehen, dass sie diese auch wirklich verstehen. Das ist eine Denkweise, eine Haltung, die im ganzen Unternehmen vorhanden sein muss, von der IT über das Billing bis hin zu den Leuten im Inkasso und in der Formularentwicklung.

Schauen wir in die Zukunft, was sind die nächsten Schritte?

Wir glauben, dass Wachstum unser grösster Werttreiber ist. Unser Ziel ist es daher weitere Partner und Kunden zu gewinnen, dazu investieren wir gezielt in den Auf- und Ausbau unseres Netzwerkes, sowie die Erweiterung unseres Angebotes mit einzelnen Modulen. Ein weiterer Hebel um Mehrwert zu schaffen ist die Professionalisierung und Optimierung unserer Infrastruktur und Kernprozesse. Professionalisierung bedeutet, dass wir uns konstant modernisieren, etwa mit dem Umstieg auf SAP S4, Microsoft 365 oder bei der kompletten Überarbeitung der Meteringarchitektur. Wir hinterfragen Bestehendes und sind jederzeit offen, neue Möglichkeiten zu nutzen. Wir haben eine Kultur geschaffen, in der wir systematisch Ideen sammeln, wie wir uns noch weiter verbessern können. Zudem sind wir daran unsere Systemarchitektur aus einer monolithischen Struktur in eine modulare zu überführen, in der einzelne Lifecycle und Lieferantenentscheide unabhängig voneinander getroffen werden können. Wir sind auf einem sehr guten Weg und freuen uns auf die weitere Reise.


Über enersuisse

enersuisse wurde 2019 von EKZ, Primeo Energie und Romande Energie gegründet und ist die grösste Dienstleisterin für den Schweizer Energiesektor. Sie bietet EVU mit SAP-Lösung sämtliche Dienstleistungen auf der Kette Meter-to-Customer modular an. Derzeit betreut enersuisse für die angeschlossenen EVU rund 900.000 Kundinnen und Kunden schweizweit.

Gerhard Höchle und Tom Müller
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